Dr. Paul Coppo ist Professor für Hämatologie an der „Pierre et Marie Curie“-Universität und Arzt am Saint-Antoine-Hospital. Er ist ein führender Experte für Patientenversorgung und klinische Forschung bei TTP. Understanding TTP bat Dr. Coppo um seinen Rat bezüglich Reisen mit TTP.

1. Was sollten Menschen mit TTP Ihrer Meinung nach beim Reisen unbedingt beachten?

Für einen Patienten mit einer Vorgeschichte von erworbener, Antikörper-vermittelter TTP, der eine Reise plant, besteht das Hauptproblem in der Gefahr eines Rückfalls während der Reise. Es ist daher wichtig, das Rückfallrisiko vor der Abreise einzuschätzen; dies kann einfach durch Bestimmen der ADAMTS13-Aktivität erfolgen.

Bei Patienten mit normaler ADAMTS13-Aktivität ist das Rückfallrisiko sehr gering, und diese Patienten können sicher und bedenkenlos reisen. Wenn die ADAMTS13-Aktivität stark verringert ist, zum Beispiel < 20% der normalen Aktivität, wäre es ratsam, eine Behandlung mit einer immunsuppressiven Therapie zu erwägen, die eine Normalisierung der ADAMTS13-Aktivität innerhalb von 1 Monat erlauben sollte.

Bei Patienten mit kongenitaler TTP, die eine prophylaktische Plasmatherapie erhalten, sollte der Patient typischerweise vor der Abreise und nach der Rückkehr nach Hause Plasma erhalten, und die Reisedauer sollte die übliche Zeitspanne zwischen zwei prophylaktischen Infusionen nicht übersteigen.

2. Was wären einige allgemeine Tips für Reisende mit TTP?

Wenn ADAMTS13, wie vor Reiseantritt begutachtet, normal ist, besteht kein bedeutendes Risiko, und Patienten können sicher verreisen und sogar fliegen oder lange Autoreisen unternehmen. Wurde kürzlich eine immunsuppressive Therapie vorgenommen, müssen Patienten ein leicht erhöhtes Infektionsrisiko bedenken. Im Fall von Fieber oder anderen auf eine Infektion hinweisenden Ereignissen sollten die Patienten daher einen Arzt aufsuchen.

Ebenso können Patienten mit kongenitaler TTP im Anschluss an eine prophylaktische Plasmainfusion sicher reisen, wobei die Reisedauer die übliche Zeitspanne zwischen zwei prophylaktischen Infusionen nicht übersteigen sollte.

3. Wie steht es mit Reiseimpfungen? Gibt es spezielle Vorsichtsmaßnahmen für Menschen mit TTP?

Eine Impfung bei Patienten mit TTP sollte ausschließlich in Kooperation mit einem Spezialisten durchgeführt werden, der für den Umgang mit Patienten mit TTP umfassend ausgebildet ist.

Patienten können im Allgemeinen eine Impfung erhalten, wenn die ADAMTS13-Aktivität normal ist. Da Impfstoffantigene einen Auslöser für eine TTP-Episode darstellen könnten, wenn ADAMTS13-Aktivität nicht nachweisbar ist, sollte die ADAMTS13-Aktivität vor jedweder Impfung getestet werden.

Ist die ADAMTS13-Aktivität normal, gibt es keine Kontraindikation für jegliche Art von Impfung. Bei Patienten, die zuvor eine immunsuppressive Therapie erhielten, sind jedoch lebende, abgeschwächte Impfstoffe zu meiden, da ein Risiko für eine Impfstoff-Infektionserkrankung (BCG, Gelbfieber, Mumps/Masern/Röteln, Varizella-Zoster) besteht. Es gibt keine spezielle Kontraindikation für nicht-lebende Impfstoffe.

Für Patienten mit kongenitalem ADAMTS13-Mangel sollten Impfungen, in jedem Lebensalter, sofort nach einer prophylaktischen Plasmainfusion erfolgen, was den Patienten vor einem Rückfall schützt.

4. Was raten Sie Menschen mit TTP, die reisen wollen, aber Angst haben?

Reisen mit TTP-Vorgeschichte ist durchaus möglich, erfordert aber einfach eine sorgfältige Planung. Es ist für eine wirksame Vorbeugung besonders wichtig, das Rückfallrisiko vor Reiseantritt zu bestimmen. Sobald alle Maßnahmen zur Vorbeugung eines Rückfalls ergriffen sind, ist eine Reise, sogar eine Fernreise, machbar.

5. Was unternimmt man bei Unwohlsein am Reiseziel?

Bei Unwohlsein empfiehlt es sich, rasch einen Arzt aufzusuchen, um einen Rückfall der Krankheit auszuschließen. Es empfiehlt sich für den Patienten generell, mit den Kontaktdaten seines betreuenden Spezialisten zu verreisen. Ferner empfiehlt es sich für den Patienten auch, mit Dokumenten zu reisen, die die Charakteristika seiner Krankheit im Detail erläutern, einschließlich Details zum Krankheitsbild, zur Behandlung, sowie zum Behandlungsergebnis und zur systematischen Nachsorge.

Einige weitere hilfreiche Informationsquellen über das Reisen mit TTP finden sich auf TTP Network und Answering TTP. TTP Network, die in Großbritannien ansässige TTP-Hilfegruppe, und Answering TTP, die nordamerikanische TTP-Hilfegruppe, bieten eine Informationsbroschüre in mehreren Sprachen, welche zum Mitnehmen auf Ihrer Reise heruntergeladen werden kann.

www.ttpnetwork.org.uk     www.answeringttp.org

Die Ansichten, Gedanken und Meinungen, die von Dr. Coppo im Text geäußert wurden, sind allein sein geistiges Eigentum und repräsentieren nicht unbedingt Ablynx nv. Diese Inhalte werden zum Zweck der öffentlichen Information geteilt und sind keinesfalls als Ersatz professioneller medizinischer Pflege oder Behandlung durch professionelle Gesundheitsexperten gedacht.